Herr Dr. van Marwick, was bedeutet für Sie Respekt?

„Respekt ist für mich die Grundvoraussetzung der Zusammenarbeit, auch der Motivation. Respekt kennt keine Hierarchie. Der Chef verdient nicht mehr Respekt als jeder Mitarbeiter.“

Welches Vorbild hat Sie geprägt?

„Mein Vater. Er hat sich weiterentwickelt vom Lehrling zum Fertigungsleiter. Seinen Job hat er bis zur Rente geliebt. Es begeistert mich noch heute, wenn Menschen ihren Job mit Liebe, Leidenschaft und Hingabe ausfüllen.

Beeindruckt bin ich auch von meinem Kollege Dan Ekström bei RKW Schweden. Er hat eine starke Menschenkenntnis, widmet sich sehr ruhig und unaufgeregt jedem Einzelnen, führt mit jedem Mitarbeiter mindestens ein oder zwei Gespräche pro Jahr. Überhaupt ist mir die selbstverständliche, entspannte und bescheidene Art der Menschen in Schweden sehr nah. Alle sind auf Augenhöhe. Diesen Stil leben wir auch bei RKW in Wasserburg. Auch wenn sich die bayrische Art zu diskutieren teilweise von der schwedischen sehr unterscheidet.“

Wer für seinen Job brennt, kann auch ausbrennen. Wie stärken Sie die Work-Life-Balance Ihrer Mitarbeiter?

„Wir sorgen dafür, dass sie Spaß an der Arbeit haben bzw. gerne zur Arbeit gehen und sich wohl fühlen. Wir reagieren sofort, wenn Hände sich heben: Wir nehmen Klagen ernst und versuchen, zeitnah Abhilfe zu schaffen.

Man spürt, dass RKW privat geführt ist; 100 Prozent der Aktien sind in Familienhand. Hier wird langfristig und verantwortungsvoll gedacht und nicht auf kurzfristigen Gewinn gezielt. Die hohe Kontinuität sorgt dafür, dass die Menschen bei RKW gut arbeiten können.

Unsere Kernkompetenz, die Extrusion, ist ein kontinuierlicher, von  Sorgfalt gesteuerter Prozess. Er könnte sinnbildlich für unsere Unternehmens- und Mitarbeiterführung stehen.“

Und wofür brennen Sie?

„Das Spannendste für mich ist nicht das Produkt, sondern die Arbeit an sich. Ich sehe mich als Generalisten, ich halte die Fäden zusammen, gebe die Laufrichtung vor. Mich motiviert die Arbeit in unserem Team. Das starke Engagement und die Kompetenz der Menschen, ihre Identifikation mit dem Unternehmen, ihr selbstbewusstes, eigenverantwortliches Handeln. Dafür brauchen sie Freiraum. Diesen Freiraum hat schon mein Vorgänger eingeführt, ich pflege ihn weiter. Die Mitarbeiter in der Produktion haben zum Beispiel die Chance, für einige Monate nicht an der Maschine, sondern in einem Projekt zu arbeiten, vielleicht eine Anlage weiterzuentwickeln. Diese Erfahrung außerhalb des eigenen Bereichs stärkt das Verständnis und die Verantwortung. Techniker können Bereiche zum Teil eigenständig führen, von der Entwicklung bis zum Ein- und Verkauf.“

Gehört zum Freiraum auch: Wissen zu teilen?

„Unbedingt. Transparenz wird in der gesamten Gruppe gepflegt. Auch vom Vorstand. Die Standortleiter erhalten tiefe Einblicke und geben sie weiter. In Schweden wurden alle Mitarbeiter monatlich per E-Mail über Entwicklungen und Erfolge informiert. Hier in Wasserburg haben wir Monatsmeetings und regelmäßige Betriebsversammlungen. Diese Offenheit stärkt die Verbundenheit, die Identifikation: Mit dem Unternehmen, den Maschinen, den Produkten.“

Es arbeiten sehr unterschiedliche Menschen bei RKW …

„Die Vielfalt macht´s. Wer Abwechslung liebt, kann auch an unseren Auslands-Standorten arbeiten und ganz neue Erfahrungen machen. Wer die Konstanz schätzt, bleibt vor Ort. Doch auch hier bewegt sich ständig etwas. Wir entwickeln nicht nur Produkte, sondern auch Verfahren und die passenden Anlagen – die wir gleich selbst bauen. Die Arbeiter in der Produktion sind nicht nur für eine Schraube verantwortlich, sondern sehen das gesamte Produkt und den Prozess. Sie erleben, dass sie seine Eigenschaften selbst beeinflussen können. Deshalb kann sich auch jeder mit seinem Produkt identifizieren.“