Herr Puschmann, die RKW-Gruppe vereint Traditionsstandorte mit neu erworbenen Betrieben. Kommt es hier nicht zum „Clash of Cultures“?

„Unsere einzelnen Standorte  pflegen bewusst ihre eigene Kultur und Mentalität. Anders als Großkonzerne zwingen wir nichts auf, was nicht passt, sondern respektieren die Historie und die Gegebenheiten an jedem Standort. Was alle Standorte verbindet und prägt, ist die RKW-Respektskultur.“         

Was bedeutet für Sie Respekt?

„Für mich umfasst Respekt ganz viele Aspekte: Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Toleranz, Offenheit, ein wertschätzender Umgang mit anderen Menschen, eine starke Team-Mentalität und zugleich Entwicklungschancen für jeden Einzelnen. Wir kümmern uns um andere.

Natürlich ist RKW innovativ, leistungsorientiert, finanzstark. Aber der wesentliche Faktor ist, sich wohl zu fühlen und als Mensch wahrgenommen zu werden, sich entwickeln zu können. Das gilt für Mitarbeiter wie für Manager.“

Können Sie Beispiele nennen?

„Unsere Führungskräfte sind immer greifbar, immer ansprechbar. Der Vorstand genauso wie der Vorarbeiter. Soft Skills fördern wir längst auch in der Produktion. Wir setzen nur noch Vorarbeiter mit Meisterausbildung ein, die sich auch aufs Personalmanagement verstehen: Sie kümmern sich nicht nur um die Arbeit, sondern um Arbeit und Menschen. Und sind zum Beispiel Kollegen von anderen Standorten bei uns, laden wir sie abends ein oder organisieren am Wochenende ein Freizeitprogramm, gehen mit ihnen in die Berge oder besuchen München. Sie sollen nicht traurig und alleine im Hotelzimmer sitzen.“

Wie fördern Sie Ihre Mitarbeiter in der Produktion?

„Wenn zum Beispiel ein Verfahrensmechaniker die Meisterschule besuchen möchte, lassen wir für den sechsmonatigen Schulbesuch das Arbeitsverhältnis nur ruhen. Er behält seinen Urlaubsanspruch und auch die Jahressonderleistungen laufen fort.“

Ich möchte bei RKW arbeiten. Wie kann ich Sie begeistern?

„Das Wichtigste ist die Qualifikation. Und Sie müssen zu uns passen: in unser Team, zu unseren Werten. Egomanen, die ein Team nicht unterstützen, nicht hilfsbereit sind, wollen wir nicht. Wir lassen uns unsere Kultur nicht kaputtmachen. Der Charakter muss passen. Geschlecht und Alter spielen dabei keine Rolle.“

Wie zeichnen Sie Leistung aus?

Der Bayer sagt: „Ned g´schimpft is schon g´lobt gnua.“ (Nicht geschimpft ist schon genug gelobt). Das reicht uns nicht. Unsere Organisation ist nach oben und unten offen für positive und negative Kritik. Die Kultur der Anerkennung pflegen wir intensiv. Engagement im Kleinen zeichnen wir z. B. mit Benzingutscheinen aus. Den Vordruck ergänze ich immer mit einigen persönlichen Worten. Darüber freuen sich manche Mitarbeiter so, dass sie eine Kopie der Gutscheine aufheben. Oder wir erkundigen uns nach den Hobbys und überreichen einen Gutschein fürs Sportgeschäft oder eine Essenseinladung für die Familie … Geld ist nicht alles. Wir machen uns einfach Gedanken über den Menschen.“

Und was treibt Sie an?

„Ich arbeite unglaublich gerne hier, mit diesen Leuten, in diesem Team, in dem man sich um den anderen kümmert und ihm hilft. Vielleicht wirken wir auf Außenstehende sehr zurückhaltend. Wir wollen einen guten Job machen, nicht großes Aufsehen. Dass wir die Mitarbeitergewinnung unter die Überschrift `Respekt´ gestellt haben: Ja, das passt zu RKW. In jeglicher Hinsicht.“

Wie möchten Sie behandelt werden?

„Ich möchte, dass man mit mir ehrlich und offen umgeht, so wie ich das auch mit den Leuten mache. Ich brauche eine vertrauensvolle Umgebung und Vorgesetzte, die eine verlässliche Orientierung bieten. Ein solches Klima der Offenheit hat übrigens vor rund zehn Jahren den Kauf des damaligen BP-Standorts Wasserburg durch RKW geprägt. Die RKW-Gruppe hat auf größtmögliche Transparenz geachtet, sich gekümmert. Die Mitarbeiter wurden informiert und mitgenommen. Der Wechsel gelang mit großer Ruhe. Viele Kollegen kannten RKW schon aus dem Wettbewerb. Sie waren froh, dass der Betrieb nicht an eine `Heuschrecke´ geht, für die nur der Shareholder Value zählt, sondern an ein Unternehmen, das Werte pflegt – und alle Arbeitsplätze erhielt.“

Schätzen auch Ihre Geschäftspartner die RKW-Respektskultur?

„Davon bin ich überzeugt. Was RKW in der Branche auszeichnet sind unsere sehr guten, sehr innovativen Produkte. Und unsere extreme Verlässlichkeit.“